

Claudia Walter
Diplom-Biologin
Michael Kasperski
Privatdozent
Claudia hat an der Ruhr-Universität Bochum ihre Diplomarbeit im Fachbereich Biopsychologie angefertigt. Sie ist staatlich geprüfte Falknerin und hat einen 12-monatigen Lehrgang zur Fachkraft für Tiergestützte Intervention absolviert.
Michael ist Privatdozent an der Ruhr-Universität Bochum mit dem Fachgebiet Entwurfsgrundlagen im Konstruktiven Ingenieurbau. Seine Leidenschaft für die Forschung und für die Falknerei setzt er für die wissenschaftlich fundierte Evaluation von TGI-Einsätzen mit Eulen, Falken und Greifvögeln ein.
Unser Bild vom Vogel
Die folgende Liste von Aspekten unseres Verständnisses von Tieren allgemein und speziell von Eulen, Falken und Greifvögeln sind eine Erweiterung von Gedanken ausgehend von folgendem Werk:
Zenker, F. (2023). Das Tier im Bild: Verbindungen von Tierethik und Ästhetik. (Human-Animal Studies, 31). Bielefeld: transcript Verlag. https://doi.org/10.14361/9783839466186At varius vel pharetra vel turpis
Empfindungsfähigkeit: Der Vogel empfindet Schmerzen und Wohlergehen, meidet Schmerzen und strebt nach Wohlergehen.
Bewusstsein: Der Vogel verfügt über ein phänomenales Bewusstsein, d.h. er empfindet ein Erlebnis auf eine bestimmte Art und Weise, die anderen unverfügbar ist.
Intentionen: Der Vogel hat einen perspektivischen Zugang zur Welt, indem es sich handelnd, wahrnehmend, fühlend, denkend etc. auf etwas in der Welt bezieht.
Persönlichkeit: Der Vogel hat ein Zentrum des eigenen Erlebens, es ähnelt/gleicht damit einer menschlichen Person und unterscheidet sich von Gegenständen und Pflanzen.
Kommunikation: Der Vogel kommuniziert seine Absichten etc. an andere und ggf. über die Speziesgrenze hinweg.
Emotionen: Der Vogel hat positive und negative Emotionen wie Freude, Ärger oder Traurigkeit.
Beziehung: Der Vogel lebt in Beziehung zu anderen; er reagiert bewusst auf die Zustände eines oder mehrerer Interaktionspartner.
Selbst-Bewusstsein: Der Vogel kann seine Situiertheit und die eigenen Fähigkeiten einschätzen.
Empathie-Fähigkeit: Der Vogel kann menschliche Emotionen wahrnehmen und sein Verhalten entsprechend anpassen.
Lernen: Der Vogel verfügt über eine auf Erfahrung basierende Lernfähigkeit, kann aber auch vorausschauend handeln und logische Schlüsse ziehen.
Erinnerungsvermögen: Der Vogel verfügt über ein Langzeitgedächtnis, so dass er Menschen wiedererkennt und weiß, wie eng die Beziehung schon wahr oder ist.
Komplexe Kognition: Die kognitiven Fähigkeiten einiger Vogelgruppen sind denen von Menschaffen ebenbürtig. https://idw-online.de/de/news647115 Prof. Güntürkün, RUB
Werkzeuggebrauch: Nestbau ist ein hochentwickeltes Verhalten, bei dem der Vogel ausgerichtet auf den Zweck Material auswählt, formt und bearbeitet.
Feuernutzung: Feuer zu nutzen ist keine ausschließliche Kulturleistung des Menschen, sondern kann z.B. auch bei Falken und Milanen in Australien beobachtet werden.
Training von Eulen, Falken und Greifvögeln für den TGI-Einsatz
Konsequenz und Disziplin, Geduld, Sorgfalt, Beharrlichkeit, Behutsamkeit, Einfühlungsvermögen, Frustrationstoleranz und Fähigkeit zur Selbstkritik sind die erforderlichen Charaktereigenschaften des trainierenden Falkners, um mit Respekt, Fürsorge, Liebe und Zuwendung den Intellekt des Vogels zu fordern und zu fördern und ihn so erfolgreich auf die Arbeit mit Menschen vorzubereiten.
Das folgende Bild zeigt in Form eines Kreises das stetige gemeinsame Arbeiten an einem geteilten Sprachsystem und dem Verfestigen der Bindung zwischen Vogel und Mensch. Dabei wird ausschließlich mit positiver Verstärkung gearbeitet. Zu Beginn erfolgt die Belohnung hauptsächlich über unmittelbare Futtergaben, später belohnt das lobende Wort und die für den Vogel wahrnehmbaren positiven Emotionen des interagierenden Menschen. Fehlverhalten des Vogels wird in der Regel ignoriert, sich ankündigendes Fehlverhalten kann der Mensch mit den Worten ‚nein‘ und ‚bleib‘ in Grenzen steuern. Grundsätzlich erwartet der Vogel bei jeder Interaktion 100%ige Aufmerksamkeit und Zuwendung des Menschen.
