Beziehung Mensch Eule
Die Beziehung zwischen Mensch und Eule ist ausgeprägt ambivalent; Eulen haben eine doppelte Symbolik von Weisheit und Dunkelheit, wobei die letztere für Unglück und Tod steht. Bereits in der Frühzeit finden sich Beispiele für positiv besetzte Rollen. So hat Athene, die griechische Göttin der Weisheit, als ständigen Begleiter einen Steinkauz, der auf ihrer Schulter sitzt und sie mit klugen Ratschlägen versorgt. Entsprechend lautet der wissenschaftliche Name dieses kleinen Eulenvogels Athene noctua. Auch aufgrund dieser frühen Verknüpfung nutzen heutzutage zahlreiche Bibliotheken, Büchereien und Schulen in ihren Emblemen und Logos eine Eule als Symbol der Weisheit.
Demgegenüber stehen Vorstellungen aus dem Bereich des Aberglaubens. Dem Steinkauz wird nachgesagt, dass er vor erleuchteten Fenstern von Krankenzimmern auf die Seele der Sterbenden warte, um diese zu entführen. Sein Ruf, der wie „ku-witt“ klingt, wurde im deutschsprachigen Raum als „komm mit“ gedeutet. Tatsächlich wird der Steinkauz von den Insekten, die sich vor dem hellen Fenster sammeln, angelockt.
Da Eulen häufig in der Dunkelheit und damit im Verborgenen jagen, durch ihren nahezu lautlosen Flug unheimlich wirken und wenig melodiöse Rufe ausstoßen, die Angst einflößend wirken können, galten und gelten sie vielfach als Unglücksboten. Schon der römische Naturwissenschaftler und Gelehrte Plinius der Ältere (23 - 79 nach Christus) sagte über Eulenvögel, sie seien die wirklichen Monster der Nacht. Wenn eine Eule auftauche, bringe sie nichts als Unglück. Dies ist umso erstaunlicher, als im benachbarten griechischen Kulturkreis Eulen eine durchweg positive Rolle haben.
In Nordamerika gilt bei vielen indigenen Völkern die Eule als Unglücksvogel, ihr Ruf ist ein schlechtes Vorzeichen. Besonders verrufen sind die Eulen mit Federohren wie Uhu und Waldohreule, denen eine Verbindung mit Hexen nachgesagt wird.
In Japan sind Eulen Glücksbringer und schützen vor Leid, während sie in China dagegen Unglücksboten sind, ebenso in der arabischen Welt sowie in der Türkei. In Indien werden noch heute Eulen in Tempeln geopfert, um die Erfüllung von Wünschen zu beschleunigen, oder Widersachern Böses zu wünschen.
Die schädliche Wirkung des Hexen- und Teufelsvogels suchte man seit alters her durch einen Gegenzauber zu entkräften. Schon bei den Römern sollte der an das Tor genagelte Balg einer toten Eule vor Unglück schützen. Dieser Aberglaube findet sich später im christianisierten Europa, wo man tote Eulen mit gespreizten Flügeln an Stalltüren und Scheunentore nagelte. Ausgestopfte Eulen sollten gegen Feuer und Blitz, gegen Verhexung und Unglück schützen.
Auch in der klassischen Literatur wird den Eulen als Unheilverkünder ein ungerechtfertigtes Zeugnis gesetzt. Bei Shakespeare wird der Tod von Julius Caesar durch den Ruf eines Kauzes angekündigt. Demgegenüber stehen moderne Märchen, die den Eulen eine positive und lehrreiche Rolle zukommen lassen. Typische Beispiele sind „The owl who was afraid of the dark” oder “Die Eule, die Träume verkauft“. In beiden Geschichten werden die angeborenen Ängste hinsichtlich der Dunkelheit behandelt. Der Protagonist des ersten Buches überwindet seine Angst, indem er sich mit anderen Nachtwesen anfreundet und erkennt, dass Dunkelheit Spaß machen und aufregend und magisch sein kann. In dem japanischen Märchen betreibt eine Eule in einem hohlen Baum einen Traumladen. Sie fängt die Träume schlafender Kinder und verkauft sie an Tiere des Waldes, zum Beispiel wenn diese nicht einschlafen können oder von bösen Träumen geplagt werden.
Eulen erfüllen mit ihren sehr großen, nach vorn gerichteten Augen, ihrem großen Kopf und den weichen Federn das menschliche Niedlichkeitsschema, das erstmals als Kindchenschema von Konrad Lorenz 1943 definiert wird. Dabei ist dem Menschen angeboren, positiv auf das Kindchenschema zu reagieren, d.h. ohne groß darüber nachzudenken. Entsprechend tauchen Eulen als freundliche bis verschrobene Charaktere in Zeichentrickfilmen auf. In Disneys Zeichentrickfilm „Die Hexe und der Zauberer“ steht die Eule Archimedes dem Zauberer Merlin mit ihrem ausgeprägten Wissen als nützlicher Assistent zur Seite. Auch die Figur Eule in Winnie Puuh ist in ähnlicher Art angelegt. Den Charakterzug der Verschrobenheit der Eule findet man auch im übertragenen Gebrauch des Wortes Kauz, das zunächst im deutschen Sprachraum Eulenvögel bezeichnet, die in Höhlen brüten und wohnen, aber auch für einen auf liebenswerte Weise sonderbaren Menschen verwendet wird.
Die neuzeitlich-positive Besetzung der Eule findet sich in ihrer Verwendung für eine Vielzahl von Alltagsgegenständen von Kaffeebechern über Backformen zu Übertöpfen und Geschirrtüchern. Geradezu inflationär werden Eulenfiguren als Deko-Gegenstand gehandelt. Gerade bei Kindern sind Eulen allgegenwärtig. So finden sich Kinderrucksäcke in Eulenform, Eulen als Figur auf Schultaschen und Etuis, auf Kinderkleidung, Schlafwäsche und Bettwäsche, als LED-Nachlicht oder als Kuscheltier. Das freundlich-positive Bild der Eule wird auch für pädagogisch sinnvolle Zwecke z.B. im Bereich des Verkehrsschutzes eingesetzt. So verteilt die Firma Fielmann seit vielen Jahren kostenlos für Schulkinder den Reflektor Blinki in Eulenform.
Die Bücher und Filme um den Zauberer Harry Potter haben weltweit eine wahre Euphorie um Eulen ausgelöst. In der Romanwelt dienen Eulen als absolut zuverlässige Briefträger, die jeden Empfänger magisch aufspüren können. Die Filmszenen mit Eulen haben in vielen Kindern und Erwachsenen den Wunsch ausgelöst, eine Eule als Haustier zu halten. Oftmals wurden ohne klare Vorstellungen, wie diese Tiere zu halten sind, Eulen angeschafft und nach dem Abklingen der ersten Begeisterung in Tierheimen abgegeben. Vermutlich hat sich aufgrund des Harry-Potter-Erfolgs auch der illegale Handel mit Eulen weltweit verstärkt.
Andererseits wird in Filmen und Fernserien das Bild der Eule als Unglücks-Ankündiger weiter gefestigt, indem ihr charakteristischer „Huh-Huh“-Ruf ertönt, wenn sich Protagonisten im Dunklen ahnungslos einer Gefahr nähern. Das sich einstellende schauerlich-gruselige Gefühl lässt sich nur schwer vermeiden, da Ängste irrational sind und angeborene Ängste nur schwer kontrolliert werden können.
Ganz uncharmant wurde früher der Uhu zur sogenannten Hüttenjagd eingesetzt. Dabei sitzt der Vogel gut sichtbar auf einer Wiese angebunden und soll so Krähen, die auf den Uhu "hassen", anlocken, um sie dann aus einem Versteck heraus abzuschießen. Die Beizjagd mit Eulen ist in Deutschland nicht erlaubt. In Österreich werden, wenn auch selten, noch heute Uhus für die Jagd auf Feldhasen eingesetzt. Der Österreichische Falknerverband führt hierzu aus: Der Uhu ist zweifelsohne einer der am schwierigsten zu fliegenden Beizvögel und erfordert ein überaus hohes Maß an Geduld, Ausdauer und „Fingerspitzengefühl“.
Die gnadenlose Verfolgung der als Raubvögel traf auch die Eulen. Mitte der 1960er war z.B. der Uhu in Deutschland fast ausgestorben. In den letzten Jahrzehnten haben sich die Bestände erfreulicherweise deutlich erholt. Das folgende Bild zeigt die Bestandsentwicklug seit 1990 mittels Bestandsindex. Die Daten stammen vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA). Bezugsjahr mit dem Indexwert 100 ist 2006. Mittlerweile gibt es vermutlich wieder über 4000 Brutpaare. Dabei wählen manche Uhu-Paare im Ruhrgebiet auch Bauwerke der Industriekultur.
Der Uhu (Bubo Bubo) ist eine der größsten Eulenarten weltweit. Namensgebend ist sein charakteristischer Ruf, den er bei geschlossenem Schnabel ausstößt. Dabei bläht sich der weiß befiederte Kehlbereich auf. Uhus verfügen über ein perfektes Tarngefieder. Beim Anlegen des Brutbereichs machen Uhs keine großen Umstände. Der weibliche Uhu legt die Eier und fertig ist das Nest. Krähen dulden Uhus nur ungern als Nachbarn. Um den Fressfeind zu vertreiben, werden ruhende Uhus von Krähen mit Steinchen und Stöckchen bombadiert.


Unsere Eulen
Waldohreule Woody
Steinkauz Athos
Waldkauz Porthos
Uhu Thomas
Habichtskauz Aramis
Eulen verfügen über ein herausragendes Hörvermögen, das ihnen die Jagd im Dunklen ermöglicht. Die Federn rund um das Auge leiten wie eine Parabolantenne die akustischen Signale auf die Ohröffnungen, die seitlich am Kopf in unterschiedlicher Höhe sitzen. Eulen fliegen langsam und beinahe geräuschlos, so dass die angejagte Beute nicht aufgeschreckt wird. Vermutlich können Eulen den Herzschlag von Menschen hören. Einige Eulen verfügen über einen Gehörschutz, der die empfindlichen Hörnerven vor allzu großem Lärm schützt.




