Beziehung Mensch Falke
Falken und Greifvögel faszinieren den Menschen seit jeher. Mit ihnen werden Adjektive wie majestätisch, stolz, und erhaben assoziiert. Ihre Fähigkeiten, hoch am Himmel zu kreisen, Schnelligkeit, Wildheit und Entschlossenheit bei der Jagd machen den besonderen symbolischen Wert dieser Vögel aus. Die Bedeutung der Falken und Greifvögel in der kulturellen Evolution des Menschen beginnt mit den animistischen und schamanischen Vorstellungen, dass diesen Tieren eine große spirituelle Kraft innewohnt. Als Mittler zwischen Himmel und Erde sowie als begleitendes und schützendes Krafttier kommt den großen Falken und Greifvögeln eine besondere Stellung zu, die schließlich zu der Überhöhung als Begleiter von Göttern oder gar als Göttergestalt führt. In der Mythologie des alten Ägyptens wird der oberste Gott Horus „the one far above“ häufig als königlicher Mann mit dem Kopf eines Falken oder komplett als Falke dargestellt. Die Verehrung dieses Himmelsgottes erstreckt sich über mehr als 5000 Jahre. Sein rechtes Auge ist die Sonne oder der Morgenstern und repräsentiert Macht und Quintessenz (lateinisch für das fünfte Element, aus dem die übrigen Elemente Luft, Feuer, Wasser und Erde stammen), sein linkes Auge ist der Mond oder der Abendstern und repräsentiert Heilung. Das Horus-Auge als eigenständiges Symbol steht für das wachsame Auge, das alles sieht und die Welt vor dem ständig drohenden Chaos beschützt. Die Großfalken, insbesondere Gerfalke, Sakerfalke und Wanderfalke, sind Langstrecken-Hochgeschwindigkeitsjäger, kraftvoll und dennoch schnell und wendig. Der deutlich kleinere Turmfalke, als Mäusejäger ein überaus nützliches Tier, steht in Verbindung mit dem Sonnengott Ra; unter den vielen ägyptischen Tiermumien finden sich auch zahlreiche Turmfalken.
Die Kunst des Jagens mit Greifvögeln ist alt und hat sich vermutlich parallel und unabhängig in verschiedenen Kulturen entwickelt. In Kasachstan finden sich Falknereisymbole auf Tonwaren, Teppichen und anderen archäologischen Funden, die älter als 5000 Jahre sind. Die Wurzeln der persischen Falknerei lassen sich sogar bis 8000 vor Christus zu König Tahmooreth zurückverfolgen. Auch in der Mongolei ist die Falknerei viele Jahrtausende alt. Als um 1500 die spanischen Konquistadoren die neue Welt erobern, berichten sie, dass bei den Azteken trainierte Habichte zur Jagd eingesetzt werden.
Über kulturelle Beziehungen sowie entlang der Handelsrouten hat sich die Falknerei in mehr als 60 Länder Europas und Asiens verbreitet. Insbesondere Großfalken entwickelten sich zu begehrten und wertvollen diplomatischen Geschenken. Berichte über Falken als königliche Geschenke finden sich bereits in der chinesischen Heinan Dynastie 2205 vor Christus. Auch in der Blütezeit der Falknerei in Europa, die zwischen 500 und 1600 nach Christus liegt, waren Falken repräsentative Tributgaben. Zudem war Falknerei in Asien und Europa neben Bogenschießen, Schwertkampf, Reiten, Schach und Dichten ein bedeutender Teil der Erziehung und Ausbildung der Adligen und Ritter.
Eine besonders herausragende Persönlichkeit im Europe des Mittelalters ist Kaiser Friedrich II. aus dem Geschlecht der Staufer (1124-1250). Sein mehrbändiges Werk De arte venandi cum avibus (Von der Kunst, mit Vögeln zu jagen), das zwischen 1241 und 1248 entstand, gilt bis in die Neuzeit auch aufgrund seiner herausragenden naturwissenschaftlichen Genauigkeit als Standardwerk zur Falknerei. Viele der noch heute gebräuchlichen Haltungs- und Trainingstechniken werden bereits in diesem Buch beschrieben. Daneben finden sich Beschreibungen und Darstellungen von überkommenen Praktiken wie dem Aufbräuen, d.h. dem Zunähen der Augenlider des noch untrainierten Falkens, um ihm die Scheu vor dem Menschen zu nehmen. Alternaiv finden sich Darstellungen der Falkenhaube, die aus dem arabischen Raum übernommen wurde. Zweifelsohne eine deutliche Verbesserung.
Friedrich II. war der festen Überzeugung, dass ein guter Falkner ebenso ein guter Menschenführer ist, da für beide Aufgaben eine Kombination von Willensstärke und Fürsorge erforderlich ist. Wie im Horst Sterns Roman Der Mann aus Apulien beschrieben, hatte Friedrich der II. eine tiefe Verbindung zu seinen Falken, die man vielleicht als Liebe bezeichnen kann.
Mit dem Aufkommen von Schusswaffen starb die Falknerei auch in Deutschland nahezu aus, da die Jagd auf Wild mit Schusswaffen erheblich effektiver ist als mit einem Greifvogel. Falknerei existierte fortan als Sport und Leidenschaft vor allem in Adelskreisen.
Erst in den 1920er Jahren erlebte die Falknerei eine Renaissance, die in Deutschland untrennbar mit dem Namen Renz Waller verbunden ist. Der 1895 geborene Tiermaler war 1923 Mitgründer des Deutschen Falkenordens DFO, dem weltweit ältesten Falknerverband. Gegenüber der Anzahl der Jäger ist die Anzahl der Falkner gering.
Seit dem 16. November 2010 ist die Falknerei in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Diese Liste, in der sich besonders erhaltenswerte Kulturtechniken, Bräuche und Traditionen finden, ergänzt die Listen für Weltkulturerbe und Weltnaturerbe.
Insbesondere in der arabischen Welt gilt das Halten von Großfalken als Statussymbol. Dabei werden oftmals mehr Tiere gehalten, als von einer Person versorgt und betreut werden können. Eine Anekdote über die Auswüchse dieser Tradition berichtet von einem Linienflug, auf dem von einem saudischen Prinzen die mittleren Sitzreihen für 80 Großfalken gebucht wurden. Den besonderen Stellenwert der Falknerei in diesem Kulturkreis erkennt man auch in der größten Spezialklinik der Welt für Greifvögel, dem Abu Dhabi Falcon Hospital Hier behandelt die deutsche Veterinärmedizinerin Dr. Margit Müller vor allem Sakerfalken und Gerfalken, die in Saudi Arabien die beliebtesten Falken für den jagdlichen Einsatz sind. Neben der medizinischen Versorgung widmet sich diese Einrichtung auch der Forschung.
Heute finden sich Falken als Nationaltier mit dem Turmfalken in Belgien, dem Sakerfalken in Ungarn und der Mongolei, dem Wanderfalken in den Arabischen Emiraten und Pakistan und dem Gerfalken in Island. In Kuwait umgibt ein Falke das zentrale Hoheitszeichen.
Bis in die 1970er waren auch Großfalken wie der Wanderfalke einer starken Verfolgung ausgesetzt. Als Nahrungskonkurrenten um das Niederwild und als Taubenjäger wurden sie als Raubvögel diffamiert. Wie lange dieses Schimpfwort in den Köpfen bleibt, sieht man auch an der Deutschen Ausgabe des Buchs Falcon der britischen Autorin Helen Macdonald, das im Untertitel Biographie eines Räubers heißt. Zusätzlich führte der Gebrauch von Pestiziden in der Landwirtschaft zu enormen Bestandsrückgängen, so dass schließlich in Teilen der Welt Wanderfalken komplett verschwunden waren. Seit der strengen Unterschutzstellung den Eulen, Falken und Greifvögeln haben sich die Bestände der Wanderfalken deutlich erholt.
Im Bereich des Greifvogelschutzes engagieren sich heute auch private Vereine. NRW hat die höchste Population von Wanderfalken, die bundesweit größte Dichte von Wanderfalken findet sich im Landschaftspark Nord in Duisburg, wo Nisthilfen an den Schornsteinen angebracht wurden.
Das folgende Bild zeigt für Deutschland den Brutindex der Wanderfalken, die Daten sind vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) zusammengestellt. Bezugsjahr ist 2006 mit dem Indexwert 100. In Deutschland gilt der Wanderfalke seit 2007 nicht mehr als gefährdet. Geschätzt gibt es zur Zeit ca. 1800 Brutpaare. Der Sakerfalke gilt dagegen in Deutschland als ausgestorben. Letzte Beobachtungen gehen auf die Zeit um die Jahrtausendwende zurück. Weltweit ist der Sakerfalke vom Aussterben bedroht.
Der Wanderfalke (Falco peregrinus) hat bis auf die Antarktis alle Kontinente für sich als Lebensraum erobert. Er ist mit Abstand das schnellste Tier auf der Erde und reizt bei seinen Sturzflugjagden die Grenzen der Strömungsmechanik aus. Wenn er seine Flügel anlegt, erreicht er im Fallen 250 km/h. Ein Flügelschlag versetzt den fallenden Vogel in Rotation und beschleunigt ihn derart auf 350 km/h. Ziel ist oftmals der Zusammenprall mit dem Beutetier. Der Stoß in die Beute erfolgt mit dem Brustbein oder dem Handgelenk des Flügels. Dabei kann eine Taube schon mal den Kopf verlieren. Falken sind Bißtöter. Eine im Flug ergriffene Taube wird zu Boden gebracht und dort mit einem Genickbiß getötet. Die langen Zehen mit sind mit Haltenoppen ausgestattet und geben besondere Griffsicherheit.

Unsere Falken
Turmfalke Bella
Sakerfalke Kyra
Turmfalke Ari
Falken bilden eine eigene Ordnung unter den Vögeln. Sie sind eher mit Papageien und Sperlingsvögeln als mit den Habichtartigen verwandt. Ihre besondere Schnabelform heißt in der Falknersprache "Reißhaken-Beißschnabel", Mit ihren kräftigen Füßen halten sie die Beute fest und beißen dann das Genick durch. Der Wanderfalke ist das schnellste Tier auf der Erde. Im Sturzflug kann er Geschwindigkeiten bis zu 350 km/h erreichen.


